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Warum Asbest ausgerechnet im Bad ein Thema ist
Asbest verbindet man mit Wellplatten auf dem Garagendach und mit der Rückwand alter Nachtspeicheröfen. Im Bad rechnet damit kaum jemand, und genau darin liegt das Problem. Hier steckt der Stoff nicht in einer Platte, die man sieht, sondern in Schichten von wenigen Millimetern unter den Fliesen und unter dem Bodenbelag.
Dazu kommt der Ablauf einer Badsanierung. Sie beginnt mit Abbruch: Fliesen abschlagen, Kleber abtragen, Boden öffnen. Das sind genau die Arbeiten, die aus einem gebundenen Material Fasern in der Raumluft machen. Solange niemand daran arbeitet, geht von asbesthaltigem Fliesenkleber hinter einer intakten Fliese keine Gefahr aus. Er wird zum Thema, sobald die Maschine daran geht.
Deshalb steht die Frage bei uns am Anfang und nicht in der Mitte der Baustelle. Diese Seite sagt Ihnen, in welchen Baujahren Sie damit rechnen müssen, wie sich ein Verdacht klären lässt, was das kostet und was es für Ihren Termin und Ihren Festpreis bedeutet.
Bis 1993 zugelassen: welche Baujahre betroffen sind
In Deutschland war Asbest bis Ende Oktober 1993 erlaubt, EU-weit fiel das Verbot erst 2005. Restbestände wurden noch ein bis zwei Jahre verbaut. Als verdächtig gilt deshalb alles, was vor 1995 in ein Bad eingebaut wurde.
Entscheidend ist dabei nicht das Baujahr des Hauses, sondern das Jahr der letzten Sanierung. Ein Gründerzeithaus von 1904, dessen Bad 1999 neu gemacht wurde, ist unverdächtig. Eine Wohnung von 1972 mit dem ersten Bad ist es nicht, und ebenso wenig ein Altbau, dessen Bad 1985 eine neue Fliesenschicht bekommen hat. Fragen Sie im Haus nach, wann zuletzt gearbeitet wurde. Hausverwaltungen, langjährige Nachbarn und alte Rechnungen bringen hier oft mehr als jede Vermutung am Bau.
Seit der Neufassung der Gefahrstoffverordnung von Ende 2024 ist das keine Frage des guten Willens mehr. Vor Arbeiten in Gebäuden, die vor 1993 errichtet wurden, muss erkundet werden, ob Asbest verbaut ist, und wer den Auftrag erteilt, muss dem ausführenden Betrieb mitteilen, was er darüber weiß. Wir fragen das beim Aufmaß von uns aus ab.
Wo Asbest im Bad steckt
Fünf Fundstellen kommen im Berliner Bestand immer wieder vor.
Fliesenkleber. Der häufigste Fund. Asbesthaltige Kleber wurden vor allem zwischen 1960 und 1990 verarbeitet, der Anteil liegt meist unter fünf Prozent. Man sieht ihm nichts an. Kritisch ist er, weil beim Abschlagen der Fliesen zwangsläufig auch der Kleber zerstört wird.
Spachtel- und Putzmassen. Unter dem Kleber liegt oft eine Ausgleichsschicht, und auch die konnte Asbest enthalten, meist unter einem Prozent. So geringe Anteile weist nur das Rasterelektronenmikroskop nach, das einfache Polarisationsmikroskop übersieht sie.
Bodenbeläge. Zwei Bauarten: harte Vinylplatten im Format 25 mal 25 oder 30 mal 30 Zentimeter, oft auf schwarzem Bitumenkleber, und Cushion-Vinyl als Bahnenware mit einer weichen, grauen bis weißen Rückseite aus Asbestpappe. Die Bahnenware ist der unangenehmere Fall, dazu gleich mehr.
Fensterbänke und Leichtbauplatten. Innenfensterbänke aus Asbestzement sind in den Sechzigern und Siebzigern verbreitet, ebenso Platten hinter Heizkörpern und in Revisionsklappen.
Lüftungsleitungen. In innenliegenden Bädern ohne Fenster laufen die Abluftschächte häufig in Rohren aus Asbestzement. Solange sie geschlossen bleiben, sind sie unkritisch. Wer eine neue Lüftung anschließen will, arbeitet daran, und dann gelten dieselben Regeln. Wie eine Lüftung im fensterlosen Bad gelöst wird, steht im Ratgeber Badlüftung.
Wichtig ist der Unterschied zwischen fest und schwach gebundenen Materialien. In Asbestzement, Vinylplatten und Fliesenkleber sitzen die Fasern in einer harten Matrix und werden erst frei, wenn man sie bricht, schleift oder fräst. In Asbestpappe, in Dichtschnüren und in alten Isolierungen liegen sie fast lose, geben schon bei Berührung Fasern ab und sind entsprechend aufwendiger auszubauen.
Woran sich ein Verdacht festmachen lässt, und woran nicht
Sicherheit gibt allein das Labor. Trotzdem gibt es Anzeichen, die einen Verdacht so weit verdichten, dass eine Probe fällig ist:
- Das Bad wurde vor 1995 gebaut oder zuletzt saniert.
- Auf dem Boden liegen harte Kunststoffplatten mit 25 oder 30 Zentimetern Kantenlänge.
- Unter einem alten Bahnenbelag kommt eine weiche, graue Papprückseite zum Vorschein.
- Der Kleber unter dem Belag ist schwarz und zäh.
- Die Fensterbank innen ist ein grauer, harter Werkstoff, weder Stein noch Kunststoff.
- Ein Lüftungsrohr aus grauem Faserzement führt in den Schacht.
Nicht aussagekräftig sind dagegen die Merkmale, die im Netz oft genannt werden. Farbe, Härte und Geruch des Klebers sagen nichts. Ein Bad, in dem alles fest sitzt und nichts bröckelt, kann trotzdem asbesthaltig sein. Und ein Test aus dem Baumarkt ersetzt keine Analyse, weil er weder die Probenahme noch die Nachweisgrenze im Griff hat.
Umgekehrt gilt: Kein Asbest im Fliesenkleber heißt nicht automatisch, dass das Bad frei davon ist. Kleber, Spachtelmasse und Bodenbelag stammen oft aus verschiedenen Jahren und werden deshalb einzeln beprobt. Zwei negative Befunde in einem Bad von 1974 sind ein gutes Zeichen, aber kein Freibrief für den dritten Baustoff.
Warum Sie die Fliesen nicht selbst abschlagen dürfen
Es gibt zwei Gründe, und beide zählen.
Der erste ist das Gesetz. Arbeiten an asbesthaltigen Materialien sind nach der Gefahrstoffverordnung untersagt; erlaubt sind sie nur als Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten durch Betriebe, die dafür sachkundig sind. Das gilt auch im eigenen Haus. Ein Verstoß ist eine Ordnungswidrigkeit, und wenn danach etwas passiert, steht bei Gebäude- und Haftpflichtversicherung die Frage im Raum, ob sie zahlen.
Der zweite Grund wiegt schwerer. Eine Asbestfaser, die in die Lunge gerät, ist unter drei Mikrometer dick und über fünf Mikrometer lang, sie wird vom Körper nicht abgebaut, und zwischen der Belastung und einer Erkrankung liegen 15 bis 40 Jahre. Einen Wert, unterhalb dessen es unbedenklich wäre, gibt es nicht. Die Toleranzkonzentration liegt bei 100.000 Fasern je Kubikmeter Luft, die Akzeptanzkonzentration bei 10.000. Ein Winkelschleifer, der trocken über asbesthaltigen Fliesenkleber läuft, überschreitet beides in wenigen Minuten um ein Vielfaches.
Danach ist die Wohnung das Problem, nicht das Bad. Die Fasern verteilen sich über den Flur bis in Textilien und Hausstaub und lassen sich mit einem gewöhnlichen Staubsauger nicht entfernen, im Gegenteil. Eine anschließende Reinigung durch einen Fachbetrieb kostet regelmäßig mehr als die komplette Badsanierung. Wer sparen will, spart an dieser Stelle am falschen Ende.
Die Probe und was das Labor kostet
Eine Materialprobe ist schnell genommen, gehört aber in geschulte Hände. Die Stelle wird angefeuchtet, ein kleines Stück Kleber samt Untergrund herausgelöst, luftdicht verpackt und beschriftet. Die offene Stelle wird danach wieder verschlossen. Das dauert je Probe wenige Minuten. Geschliffen oder gebohrt wird dabei nicht, sonst erzeugt die Probenahme genau das, was sie ausschließen soll.
Im Labor kostet die Analyse 30 bis 80 Euro je Probe, das Ergebnis liegt nach zwei bis fünf Werktagen vor. Für Spachtelmassen mit Anteilen unter einem Prozent braucht es das Rasterelektronenmikroskop, das mit 80 bis 150 Euro zu Buche schlägt. Eine Raumluftmessung nach VDI 3492 liegt bei 350 bis 700 Euro und ist vor dem Umbau selten nötig, nach einer Sanierung dagegen Pflicht.
In einem normalen Bad reichen zwei bis vier Proben: Wandfliesenkleber, Bodenfliesenkleber, Bodenbelag und gegebenenfalls die Spachtelmasse. Sie kommen damit auf 100 bis 300 Euro für eine Frage, an der mehrere tausend Euro hängen. Das Aufmaß machen wir vor Ort oder per Videocall; eine Probe können wir naturgemäß nur vor Ort nehmen, und wir sagen Ihnen vorher, ob sich der Termin dafür lohnt.
TRGS 519: was ein Fachbetrieb dafür mitbringen muss
Fällt der Befund positiv aus, gilt die Technische Regel für Gefahrstoffe 519. Sie ist kein Papier für die Ablage, sondern bestimmt, wer arbeiten darf und wie.
- Sachkunde. Der Betrieb braucht einen behördlich anerkannten Sachkundenachweis nach TRGS 519, und während der Arbeiten muss eine sachkundige Aufsichtsperson vor Ort sein.
- Anzeige. Die Arbeiten sind der Arbeitsschutzbehörde spätestens sieben Kalendertage vor Beginn anzuzeigen, mit Arbeitsplan. In Berlin ist das LAGetSi zuständig, für Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf das Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit.
- Ausrüstung. Einwegschutzanzug, Atemschutz mit P3-Filter oder gebläseunterstützt, Industriesauger der Staubklasse H mit Asbestzulassung, Wasser statt Trockenbearbeitung.
- Abschottung. Der Raum wird gegen die Wohnung dicht abgeklebt, mit Personenschleuse und dauerhaftem Unterdruck, in der Regel bei achtfachem Luftwechsel je Stunde.
- Entsorgung. Der Abfall geht staubdicht verpackt und deklariert unter dem Abfallschlüssel 17 06 05 auf eine dafür zugelassene Deponie, nicht in den Container auf der Straße.
- Freimessung. Vor der Freigabe wird die Raumluft nach VDI 3492 gemessen. Freigegeben wird erst unter 500 Fasern je Kubikmeter.
Ein Betrieb, der anbietet, den Kleber ohne all das eben vorsichtig herunterzuholen, verstößt gegen geltendes Recht und lässt Sie mit dem Ergebnis allein. Für kleine Mengen kennt die TRGS 519 zwar Erleichterungen, etwa für eine einzelne Fensterbank, doch auch die setzen Sachkunde, Absaugung und ordnungsgemäße Entsorgung voraus. Ein ganzes Bad fällt ohnehin nicht darunter.
Wie eine Asbestsanierung im Bad abläuft
Der Ablauf ist immer derselbe, egal ob es um sechs Quadratmeter Fliesenkleber oder um eine einzelne Fensterbank geht. Nach dem Laborbefund wird der Arbeitsplan geschrieben und die Anzeige eingereicht, dann läuft die Frist von sieben Kalendertagen. In dieser Zeit lassen sich andere Vorbereitungen erledigen, etwa die Auswahl von Fliesen und Armaturen.
Am ersten Arbeitstag wird abgeschottet: Türen und Lüftungsöffnungen dicht, Folie an Wänden und Boden, Schleuse vor dem Bad, Unterdruckgerät an. Der Ausbau selbst erfolgt feucht und mit Absaugung an der Maschine, das Material wandert direkt in den Big Bag. Danach wird der Raum fein gereinigt, gemessen und erst nach dem Messergebnis freigegeben.
Erst jetzt beginnt die eigentliche Badsanierung mit Rohinstallation, Abdichtung, Fliesen und Montage. Wie diese Phasen aufeinanderfolgen, steht im Ratgeber Badsanierung Ablauf, und was der Zeitplan insgesamt hergibt, unter Bauzeit.
Die Asbestsanierung selbst führen wir nicht mit eigenen Leuten aus, sondern beauftragen dafür einen Fachbetrieb mit Sachkunde nach TRGS 519, mit dem wir regelmäßig arbeiten. Für Sie ändert sich dadurch nichts: Sie haben weiterhin einen Ansprechpartner, einen Zeitplan und ein Angebot.
Was das an Zeit und an Geld bedeutet
Beim Zeitplan täuscht der erste Eindruck. Auf der Baustelle kosten Abschottung, Ausbau und Reinigung bei Fliesenkleber drei bis sechs Arbeitstage, ein einzelner Bodenbelag ist in ein bis zwei Tagen heraus. Im Kalender werden daraus zwei bis drei Wochen, weil Labor, Anzeigefrist und Freimessung dazwischen liegen. Wer den Verdacht früh klärt, verliert davon fast nichts, weil die Fristen in die Planungsphase fallen.
Bei den Kosten sind das die Größenordnungen, die wir in Berliner Bädern sehen:
| Fund | Zusätzliche Bauzeit | Was das meist kostet |
|---|---|---|
| Zwei bis vier Materialproben im Labor | keine | 100 bis 300 Euro |
| Asbestzement-Fensterbank oder Lüftungsrohr | 1 Arbeitstag | 400 bis 1.200 Euro |
| Cushion-Vinyl oder Vinylplatten, 6 m² | 1 bis 2 Arbeitstage | 1.500 bis 3.000 Euro |
| Fliesenkleber, 25 bis 30 m² Wand und Boden | 3 bis 6 Arbeitstage | 3.500 bis 8.000 Euro |
| Freimessung nach VDI 3492 | inbegriffen | 350 bis 700 Euro, in den Beträgen oben enthalten |
In den Spannen der Sanierungszeilen stecken Abschottung, Ausbau, Entsorgung und Messung. Nach oben treibt sie vor allem die Zugänglichkeit: ein Bad im vierten Stock ohne Aufzug, ein enges Treppenhaus oder ein Raum, der sich nur über den Wohnflur erreichen lässt. Nach unten hilft, wenn ohnehin alles herauskommt, weil dann kein Bauteil aufwendig geschützt werden muss.
Diese Summen kommen zu den Kosten der Badsanierung hinzu, die unter Badsanierung Kosten stehen. Was im Altbau darüber hinaus zu bedenken ist, steht unter Bad im Altbau.
Was das für Ihren Festpreis heißt
Ein Asbestfund ist der klassische Fall, an dem Angebote auseinanderfallen. Deshalb behandeln wir ihn wie jedes andere Risiko im Bestand: Er steht vorher im Angebot, mit Betrag.
Liegt Ihr Bad im Verdachtsbaujahr, führen wir eine Vorbehaltsposition für die Asbestsanierung, in der Regel zwischen 3.500 und 8.000 Euro, je nach Fläche und Zugang. Fällt die Probe positiv aus, kennen Sie den Preis, bevor die erste Fliese fällt. Fällt sie negativ aus, streichen wir die Zeile ersatzlos, und Sie zahlen sie nicht. Auf der Baustelle wird darüber nicht verhandelt.
Bei einer Badrenovierung, bei der die alten Fliesen liegen bleiben und neu überbaut werden, entfällt die Frage in vielen Fällen ganz, weil nichts abgetragen wird. Ob das in Ihrem Bad trägt, hängt am Untergrund und an der Aufbauhöhe, und das sehen wir beim Aufmaß.
Ein Angebot ohne jedes Wort zu Asbest ist bei einem Bad von 1975 kein günstiges Angebot, sondern ein unvollständiges. Fragen Sie in diesem Fall nach, bevor Sie unterschreiben. Vier Punkte sollten schriftlich dastehen: wer die Proben nimmt und was sie kosten, ob der Betrieb die Sachkunde nach TRGS 519 hat oder sie zukauft, welcher Betrag für den Fall des Fundes eingestellt ist und wer die Freimessung bezahlt. Wo das fehlt, wird die Frage nicht günstiger, sondern nur später gestellt.
Wenn wir nicht der richtige Betrieb sind
Wenn Sie nur die Asbestsanierung brauchen und das Bad danach selbst neu bauen wollen, sind Sie bei einem reinen Sanierungsbetrieb besser aufgehoben. Wir kommen für den kompletten Umbau, nicht für den Rückbau allein.
Wir schlagen außerdem keine Fliesen ab, solange ein Verdacht ungeklärt ist. Auch nicht auf ausdrücklichen Wunsch, auch nicht gegen eine Unterschrift und auch nicht, wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist. Ebenso wenig kalkulieren wir Asbest pauschal in einen Preis hinein, ohne dass eine Probe gezogen wurde, denn das wäre für beide Seiten geraten. Halbfertige Baustellen anderer Betriebe übernehmen wir nicht, und bei einem geöffneten Bad mit unklarem Befund gilt das erst recht.
Sprechen wir über Ihr Bad, auch wenn Asbest im Spiel ist
Die Wolfermann GmbH ist ein Meisterbetrieb mit über 40 Jahren Erfahrung und gehört zur WRS Gruppe. So lange arbeiten wir in Berliner Bädern, und der Bestand aus den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern gehört zum Alltag. Der Betrieb sitzt in Kleinmachnow und ist montags bis freitags von 7 bis 16:30 Uhr erreichbar.
Rufen Sie an unter 030 220 569 70 oder schreiben Sie uns über das Formular auf dieser Seite. Sagen Sie uns dabei, wann Ihr Bad zuletzt gemacht wurde, denn mit dieser einen Angabe lässt sich schon einordnen, ob überhaupt ein Verdacht besteht. Danach vereinbaren wir das Aufmaß, vor Ort oder per Videocall, das Sie nichts kostet und zu nichts verpflichtet. Am Ende haben Sie einen Festpreis, in dem auch das steht, was unter den alten Fliesen stecken könnte.
