Warum ein altes Haus eigene Regeln hat
Im Berliner Altbau war das Bad selten von Anfang an vorgesehen. Häufig sitzt es in einer ehemaligen Kammer, in einem abgeteilten Stück Küche oder dort, wo früher die Speisekammer lag. Die letzte gründliche Badrenovierung liegt meist in den Siebziger- oder Neunzigerjahren zurück, und wie es seitdem unter den Fliesen aussieht, lässt sich erst beurteilen, wenn der Boden geöffnet ist.
Deshalb geht es auf dieser Seite weniger um Fliesenformate als um die vier Punkte, an denen im Altbau alles hängt: der Boden, die Leitungen, die Luft und die Genehmigung. Sind die geklärt, unterscheidet sich Ihre Badsanierung im Gründerzeithaus im Ergebnis kaum von einer im Neubau.
Woran Sie erkennen, dass eine Badsanierung ansteht
- Der Fliesenspiegel klingt hohl, wenn Sie mit dem Knöchel dagegenklopfen.
- Die Fugen in der Dusche bleiben dunkel, egal womit Sie putzen.
- Morgens kommt das Wasser kurz bräunlich, bis es eine Weile gelaufen ist.
- Der Druck fällt spürbar ab, sobald jemand anders im Haus zapft.
- Der Boden gibt an einer Stelle leicht nach oder die Fliese hat einen Riss.
- An der Decke der Wohnung darunter zeigt sich ein Fleck.
Einzeln muss keiner dieser Punkte etwas bedeuten. Treffen mehrere davon zu, liegt die Ursache in aller Regel nicht in der Oberfläche, sondern im Aufbau darunter. Dann lohnt sich eine Badrenovierung, die nur die Optik erneuert, nicht mehr, und wir sprechen mit Ihnen über eine richtige Badsanierung.
Was unter den Fliesen liegt
Im Nachkriegsbau liegt unter dem Bad eine Betondecke, und darauf lässt sich fast alles bauen. Im Altbau finden wir dagegen eine Holzbalkendecke: Balken von 20 bis 24 Zentimetern Höhe, Abstand meist 80 bis 100 Zentimeter, dazwischen ein Einschub aus Brettern und darauf eine Schüttung aus Sand, Schlacke oder Lehm. Diese Schüttung übernimmt im Haus den Schallschutz, und sie ist schwer: Zehn Zentimeter Sand bringen rund 150 Kilogramm auf den Quadratmeter.
Sobald wir diesen Boden öffnen, sind drei Fragen zu beantworten.
Wie viel Höhe steht zur Verfügung? Zwischen der Oberkante der Balken und der Oberkante der alten Fliese liegen meist 12 bis 18 Zentimeter. Davon geht alles ab, was neu hinein muss: Ablaufrohr mit Gefälle, Dämmung, Bodenplatte, Kleber und Fliese.
Wo darf das Abflussrohr entlang? Ein Rohr in DN 50 braucht mit Gefälle rund acht bis zehn Zentimeter Bauhöhe, und es fällt mit einem bis zwei Zentimetern je Meter. Quer durch die Balken darf es nicht laufen, weil ein auf halber Höhe angeschnittener Balken Tragkraft verliert. Die Leitung läuft deshalb längs zwischen zwei Balken. Aus diesem Grund lässt sich im Altbau nicht jedes Objekt an jede beliebige Wand setzen, und deshalb nehmen wir den Verlauf der Balken schon beim Aufmaß mit auf.
Nass oder trocken aufbauen? Ein Zementestrich braucht bis zur Belegreife rund vier Wochen und bringt zusätzliches Gewicht auf die Balken. Auf einer Holzbalkendecke arbeiten wir deshalb fast immer mit einem Trockenestrich aus Gipsfaserplatten. Der ist deutlich leichter, und unser Fliesenleger kann schon am nächsten Tag anfangen.
Ob die bodengleiche Dusche geht, entscheidet der Boden
Ein Punktablauf braucht etwa 9 bis 11 Zentimeter Einbauhöhe, eine flache Duschrinne oder ein Wandablauf kommt mit rund 7 Zentimetern aus. Sobald die alte Schüttung ausgebaut ist, steht dieser Platz in den meisten Altbauwohnungen zur Verfügung. Ist die Höhe wirklich einmal nicht da, wählen wir eine extraflache Duschtasse mit 25 bis 35 Millimetern Rand, die im fertigen Bad kaum auffällt. Welche Lösung wann die richtige ist, lesen Sie unter Dusche statt Wanne.
Nebenbei verschwindet dabei meist auch die Stufe an der Badtür. In vielen Altbauwohnungen liegt der Badboden zwei bis drei Zentimeter höher als der Flur, weil irgendwann einmal auf den alten Belag draufgefliest wurde. Beim neuen Bodenaufbau bringen wir beides wieder auf eine Höhe.
Die Leitungen: was in der Wand steckt
Drei Sorten Rohr finden wir im Berliner Bestand regelmäßig.
Blei. Bis in die Siebzigerjahre verbaut. Der Grenzwert im Trinkwasser liegt bei 0,01 Milligramm je Liter, und den hält eine Bleileitung nicht ein. Sie wird deshalb ausgetauscht, dafür gibt es keinen Ermessensspielraum.
Verzinkter Stahl. Setzt von innen zu, der Querschnitt wird enger, und morgens kommt das Wasser braun. Nach vierzig bis fünfzig Jahren hat so ein Rohr seine Aufgabe erfüllt.
Kupfer. Hält lange und kann oft liegen bleiben. Ob das in Ihrem Fall gilt, beurteilen wir am Zustand der Verbindungsstellen und nicht am Baujahr.
Wichtig ist die Grenze im Haus: Ab dem Abzweig in Ihre Wohnung ist die Leitung Ihre Sache, der Steigstrang im Schacht gehört dem Haus. Werden nur die Leitungen in der Wohnung erneuert und der alte Strang bleibt stehen, kommt das trübe Wasser auch aus den neuen Armaturen. Bei Eigentum gehört dieser Punkt deshalb vor die Eigentümerversammlung und bei Miete zur Hausverwaltung, und zwar vor Beginn der Arbeiten.
Ähnlich ist es mit der Elektrik. Im Altbau hängt das Bad oft an einer einzigen alten Leitung ohne Schutzleiter, und ein Fehlerstromschutzschalter fehlt. Dafür ziehen wir eine eigene Leitung bis zum Zählerkasten. Diese Arbeit sieht später niemand, sie gehört aber zu den Punkten, auf die sich bei einer Badsanierung nicht verzichten lässt.
Ein Bad ohne Fenster im Seitenflügel
Im Vorderhaus hat das Bad manchmal ein Fenster zum Hof, im Seitenflügel und im Quergebäude fast nie. Eine warme Dusche gibt gut einen halben Liter Wasser an die Raumluft ab. Bleibt diese Feuchte im Raum, schlägt sie sich an der kältesten Wand nieder, und dort entsteht mit der Zeit Schimmel.
Ein innenliegendes Bad braucht deshalb eine Abluftanlage mit rund 60 Kubikmetern je Stunde nach DIN 18017-3, mit einem Nachlauf von zehn bis fünfzehn Minuten, nachdem das Licht ausgeschaltet wurde. Drei Wege sind im Altbau üblich.
- Der alte Schwerkraftschacht. Viele Berliner Häuser haben neben dem innenliegenden Bad einen gemauerten Schacht. Er zieht nur bei Temperaturunterschied, im Sommer also kaum. Ein Ventilator lässt sich einbauen, allerdings darf nicht jeder Schacht beblasen werden, wenn mehrere Wohnungen daran hängen. Wer darüber entscheidet, lesen Sie unter Bad in der Eigentumswohnung.
- Kernbohrung nach draußen. Ein Rohr von 100 Millimetern durch die Außenwand zum Hof. Das ist die sauberste Lösung, sofern die Fassade sie zulässt.
- Umluft mit Aktivkohle. Nimmt den Geruch, aber nicht die Feuchte. Für ein Bad reicht das nicht aus.
Dazu hilft Wärme: Eine elektrische Fußbodenheizung im Trockenaufbau baut nur 20 bis 25 Millimeter hoch und sorgt dafür, dass der Boden nach dem Duschen wieder trocken wird. Wie ein solcher Lüfter ausgelegt wird, lesen Sie unter Bad lüften.
Denkmalschutz und Milieuschutz: was Sie vorher klären sollten
Zwei Begriffe werden im Altbau regelmäßig verwechselt.
Denkmalschutz betrifft meist das, was man von außen und im Treppenhaus sieht: Fassade, Fenster, Türen und Stuck. Ihr Bad im Innern ist nur selten geschützt. Sobald aber die Fassade angefasst wird, also bei der Kernbohrung für die Abluft oder beim Tausch des Badfensters, brauchen Sie eine Genehmigung. Zuständig ist die untere Denkmalschutzbehörde Ihres Bezirks, und dafür sollten Sie vier bis acht Wochen einplanen.
Milieuschutz heißt korrekt soziale Erhaltungsverordnung und hat mit dem Alter des Hauses nichts zu tun. Große Teile von Prenzlauer Berg, Kreuzberg und Schöneberg liegen in solchen Gebieten, und dort ist eine Modernisierung genehmigungspflichtig. Ein Bad mit WC und Dusche oder Wanne gilt als zeitgemäße Ausstattung, alles darüber hinaus wird geprüft, besonders wenn die Wohnung vermietet ist. Ob Ihre Adresse betroffen ist, sagt Ihnen das Stadtentwicklungsamt des Bezirks. Wie eine Baustelle in einer typischen Altbaulage abläuft, lesen Sie unter Badsanierung Prenzlauer Berg.
Was das für den Zeitplan heißt
| Schritt | Betondecke | Holzbalkendecke im Altbau |
|---|---|---|
| Abbruch und Entsorgung | 1 bis 2 Tage | 2 bis 3 Tage, die Schüttung muss heraus |
| Leitungen neu ziehen | rund 2 Tage | 3 bis 4 Tage, Umwege um die Balken |
| Bodenaufbau | Estrich, dann Wartezeit | 1 bis 2 Tage trocken, keine Wartezeit |
| Genehmigung an der Fassade | entfällt | 4 bis 8 Wochen vor Baubeginn |
Ein Komplettbad im Altbau liegt damit bei zwölf bis achtzehn Arbeitstagen. Länger als die Baustelle dauert erfahrungsgemäß das, was vorher schriftlich geklärt werden muss. Wie die einzelnen Tage aufeinanderfolgen, lesen Sie unter Badsanierung Ablauf, und wie sich Vorlauf und Bauzeit zu einem Termin addieren, steht im Zeitplan.
Was das für den Preis heißt
| Was im Altbau dazukommt | Was das meist kostet |
|---|---|
| Schüttung heraus, neuer Trockenboden mit Dämmung, 6 bis 8 m² | 1.500 bis 3.000 Euro |
| Wasser- und Abwasserleitungen in der Wohnung neu | 1.500 bis 3.500 Euro |
| Eigene Elektroleitung mit Fehlerstromschutzschalter | 600 bis 1.200 Euro |
| Abluftanlage im fensterlosen Bad samt Kernbohrung | 800 bis 1.800 Euro |
| Schiefe Wände ausgleichen vor dem Fliesen | 500 bis 1.500 Euro |
Unterm Strich liegt ein Altbaubad meist 2.000 bis 5.000 Euro über einem gleich ausgestatteten Bad im Nachkriegsbau. Die Spannen für ein komplettes Bad lesen Sie unter Badsanierung Kosten.
Der letzte Punkt der Tabelle wird oft übersehen. Altbauwände sind selten im Lot, zwei bis drei Zentimeter Abweichung auf Raumhöhe sind normal. Kleine Fliesen gleichen das aus, ein großes Format von 60 mal 120 Zentimetern nicht. Wenn Sie sich solche Platten wünschen, gehört der Ausgleich der Wände in den Festpreis, und wir sagen Ihnen das vor der Auswahl und nicht hinterher.
Woran Sie ein gutes Angebot für einen Altbau erkennen
- Die Entsorgung der Schüttung steht mit Menge darin. Aus einem kleinen Bad kommen mehrere Kubikmeter zusammen, und Schlacke kostet in der Entsorgung mehr als Bauschutt.
- Der Bodenaufbau ist benannt, samt Höhe. Sonst bleibt offen, ob aus der bodengleichen Dusche am Ende doch eine Duschtasse wird.
- Die Abdichtung unter den Fliesen ist eine eigene Position. Auf einer Holzbalkendecke gehört sie zur Grundausstattung.
- Für das, was hinter der Wand stecken kann, gibt es eine Position mit Betrag. Dann wird auf der Baustelle gearbeitet statt verhandelt.
Enthält ein Angebot nur Quadratmeter Fliesen und eine Liste von Objekten, hat sich vorher niemand den Bestand angesehen. In einem Haus von 1904 sollte ein Angebot deutlich mehr hergeben.
Sprechen wir über Ihr Bad im Altbau
Die Wolfermann GmbH ist ein Meisterbetrieb mit über 40 Jahren Erfahrung und gehört zur WRS Gruppe. So lange arbeiten wir schon in Berliner Bädern, von der Gründerzeitwohnung mit Sandschüttung bis zum Bad im Seitenflügel ohne Fenster. Installateur, Elektriker, Fliesenleger und Maler sind unsere eigenen Leute, der Betrieb sitzt in Kleinmachnow und ist montags bis freitags von 7 bis 16:30 Uhr erreichbar.
Sie erreichen uns unter 030 220 569 70, montags bis freitags von 7 bis 16:30 Uhr. Sagen Sie uns, wo Sie wohnen und wie groß Ihr Bad ungefähr ist, dann vereinbaren wir einen Termin für das Aufmaß, je nach Vorhaben vor Ort bei Ihnen oder per Videocall, der schneller zu haben ist und keinen halben Tag im Kalender kostet. Wir nehmen die Maße auf, gehen die alten Leitungen durch und klären, wie Ihr Boden aufgebaut ist. Das Aufmaß ist für Sie kostenlos und unverbindlich. Anschließend wissen Sie, was in Ihrem Altbau möglich ist, wie lange die Arbeiten dauern und was sie kosten, und zwar als Festpreis. Wenn Ihnen ein Anruf gerade nicht passt, schreiben Sie uns über das Anfrageformular auf dieser Seite, wir rufen Sie gern zurück.
