Die Entscheidung fällt vor dem Fliesen
Bei Armaturen wird lange über Form und Farbe gesprochen und kaum über den Zeitpunkt. Dabei ist er das Einzige an dieser Ausstattung, was sich hinterher nicht mehr drehen lässt: Ob die Duscharmatur auf der Wand sitzt oder in ihr, muss feststehen, bevor der Fliesenleger anfängt.
Der Grund steckt in der Bauweise. Eine Aufputzarmatur wird auf zwei Wandanschlussbögen geschraubt, deren Mitten genormte 15 Zentimeter auseinanderliegen; deshalb passt beinahe jede auf beinahe jede vorhandene Wand. Eine Unterputzarmatur besteht dagegen aus zwei Teilen: dem Grundkörper, der vor dem Fliesen in die Wand kommt, und der Fertigmontage aus Rosette und Hebel zum Schluss. Wer sich später umentscheidet, entscheidet sich für eine geöffnete Wand.
Was Unterputz an Wandtiefe verlangt
Der Grundkörper braucht 60 bis 95 Millimeter, gemessen von der fertigen Fliesenoberfläche bis zu seiner Rückseite. Thermostate mit zwei oder drei Abgängen liegen am oberen Ende. Diese Tiefe muss die Wand hergeben, und genau daran scheitert es im Berliner Bestand am häufigsten.
In der Gründerzeitwohnung ist die Wand hinter der Dusche oft eine Leichtwand oder ein 11,5 Zentimeter starker Ziegel zum Flur. Acht Zentimeter tief hineinstemmen kommt dort nicht infrage. In der Nachkriegssiedlung gilt dasselbe, und in der Platte werden die Wände der Sanitärzelle ohnehin nicht angerührt. Erst im Neubau ab etwa 2000 steht die passende Vorwand meist schon.
Der Weg führt deshalb fast immer über den Trockenbau. Für den Grundkörper allein genügen 8 bis 10 Zentimeter von der Rohwand bis zur Fliese. Wird für das WC ohnehin eine Vorwand gestellt, die mit 12 bis 20 Zentimetern tiefer ausfällt, kostet die Unterputzarmatur dort gar keinen Platz mehr. In dieselbe Vorwand passt zusätzlich ein Wandablauf: Er belegt darin rund 70 Millimeter und lässt den Boden mit 70 bis 100 Millimetern Aufbauhöhe von der Rohdecke bis zur Oberkante Fliese auskommen.
Die Rosette ist die Revisionsöffnung
Hinter der Fliese sitzen beim Unterputz-Thermostat die Kartusche, der Rückflussverhinderer und meist ein Schmutzfangsieb. Alle drei werden irgendwann getauscht und müssen erreichbar bleiben. Bei brauchbaren Serien kommen sie von vorn heraus, sobald Rosette und Hebel ab sind; eine Klappe in der Fliesenfläche erübrigt sich damit.
Zwei Punkte gehen trotzdem schief. Erstens fehlen die Vorabsperrungen im Grundkörper, und dann muss für jeden Kartuschentausch die Steigleitung der Wohnung zu. Zweitens entscheidet unter Putz nicht das Aussehen über die Lebensdauer, sondern die Frage, ob es das Innenleben in zehn Jahren noch zu kaufen gibt. Was der andere Fall kostet, rechnet Bad günstig sanieren vor.
Thermostat oder Einhebelmischer
Am Waschtisch bleibt es beim Einhebelmischer: Sie stellen dort bei jedem Griff eine andere Temperatur ein, ein Thermostat hätte nichts zu halten.
In der Dusche kehrt sich das um. Sie wollen jeden Morgen dieselben 38 Grad, und zwar sofort. Ein Thermostat hält diesen Wert und fängt Druckschwankungen ab, wenn nebenan gespült wird oder die Waschmaschine Wasser zieht. Ein Einhebelmischer gibt dieselbe Schwankung ungefiltert an Ihre Schultern weiter.
Zwei Voraussetzungen gehören dazu. Der Fließdruck sollte an beiden Anschlüssen mindestens 1 bar betragen, angenehm wird es ab 1,5. Und die Warmwasserbereitung muss mitspielen: Ein hydraulisch gesteuerter Durchlauferhitzer älterer Bauart braucht einen Mindestdurchfluss, den ein drosselnder Thermostat unterschreitet, worauf das Wasser kalt wird. In Gründerzeitwohnungen mit einem Gerät aus den Neunzigern ist das der häufigste Grund, warum ein Thermostat nicht funktioniert. Elektronisch geregelte Geräte vertragen sich mit ihm, hydraulische nicht.
Durchflussmengen gelten bei 3 bar
Jede Literangabe eines Herstellers bezieht sich auf 3 bar Fließdruck. Im vierten Obergeschoss eines Gründerzeithauses stehen an der Armatur häufig nur 1,5 bis 2 bar an, und dann liefert eine Handbrause statt der angegebenen 12 eher 8 Liter je Minute. Die Angabe auf dem Karton ist ein Laborwert.
Begrenzen lässt sich die Menge in der Brause, im Anschlussschlauch oder im Grundkörper. Am wirksamsten sitzt sie im Grundkörper: Dort gilt sie auch für die Kopfbrause und überlebt jeden Wechsel des Brausekopfs.
Die Obergrenze setzt ohnehin das Warmwasser. Ein Speicher mit 100 Litern bei 60 Grad ergibt auf 38 Grad heruntergemischt rund 180 Liter, bei 12 Litern je Minute also etwa 15 Minuten, bevor es dünner wird; zwei Personen teilen sich diese Zeit. Bei einer großen Kopfbrause rechnen wir das vorher durch, die Zahlen dazu stehen unter Erlebnisbad.
Chrom, gebürstet, schwarz matt
Berliner Trinkwasser liegt in den meisten Bezirken im Härtebereich hart, also über 14 Grad deutscher Härte. Daran entscheidet sich, welche Oberfläche im Alltag angenehm bleibt.
Chrom ist galvanisch aufgebracht, hart und unempfindlich gegen alles, was im Bad benutzt wird, säurehaltige Kalklöser eingeschlossen. Es zeigt Tropfen am deutlichsten und gibt sie am leichtesten wieder her, ist die günstigste Ausführung jeder Serie und am sichersten lieferbar.
Gebürstet, also Edelstahloptik oder gebürstetes Nickel, ist meist eine PVD-Schicht und damit härter als Chrom. Die Bürstung schluckt Fingerabdrücke fast vollständig, hält den Kalkfilm in ihrer Struktur aber länger sichtbar. Der Aufpreis auf dieselbe Serie liegt meist bei 20 bis 50 Prozent.
Schwarz matt gibt es pulverbeschichtet oder als PVD. Am Ausstellungsstück ist der Unterschied nicht zu sehen, im Alltag ist er entscheidend: Pulverbeschichtung verträgt keinen sauren Kalkentferner, und auf dunkler Fläche hinterlässt hartes Wasser einen hellen Schleier, den man von zwei Metern sieht. Die Pflege heißt hier abziehen oder trocken wischen, täglich. Wer das nicht will, ist mit Chrom zufriedener.
Für alle drei gilt: Bleiben Sie im Raum bei einer Oberfläche. Schwarz matt zweier Hersteller trifft sich selten im selben Ton, und ein Ablaufventil in der falschen Nuance fällt stärker auf als eine ganze Wand. Zur durchgehenden Fläche passen fugenlose Bäder.
60 Grad im Speicher, 38 Grad an der Brause
Zentral erwärmtes Wasser wird heiß gehalten, weil es heiß sein muss: Unterhalb von 60 Grad im Speicher und 55 Grad in der Zirkulation vermehren sich Legionellen. An Ihrer Armatur liegt damit Wasser an, das verbrüht. Bei 60 Grad genügen wenige Sekunden für eine ernste Verbrühung, Kinderhaut braucht einen Bruchteil davon; bei 50 Grad dauert es Minuten, bei 38 Grad passiert nichts.
Der Thermostat ist deshalb weniger ein Komfort- als ein Sicherheitsbauteil. Die Sperre bei 38 Grad muss aktiv gedrückt werden, bevor es wärmer wird. Bei vielen Modellen lässt sich zusätzlich ein Endanschlag setzen, üblich 43 Grad; dann kommt auch mit gedrückter Taste nicht mehr. In einem Haushalt mit kleinen Kindern oder mit jemandem, der Temperatur an den Händen schlechter spürt, ist das die wichtigste Einstellung im Bad; weitere Punkte dazu stehen unter barrierefreies Bad.
Auch ein Einhebelmischer lässt sich begrenzen: In der Kartusche sitzt bei den meisten Serien ein Anschlag gegen zu weit nach links, den wir bei der Montage einstellen, wenn Sie es sagen. Nebenbei bleibt ein Thermostatgehäuse außen handwarm, während ein Aufputzmischer am Wannenrand bei 55 Grad Wasser heiß genug wird, dass man die Hand zurückzieht.
Die beiden Bauarten nebeneinander
| Aufputz | Unterputz | |
|---|---|---|
| Entscheidung spätestens | bei der Montage | vor dem Fliesen |
| Platz in der Wand | keiner | 60 bis 95 mm hinter der Fliese |
| Material Duschthermostat | 150 bis 350 Euro | 500 bis 1.200 Euro |
| Arbeitszeit | 1 bis 2 Stunden | halber Arbeitstag, Vorwand extra |
| Wartung | Armatur abschrauben | Kartusche von vorn, Grundkörper bleibt |
| Zu putzen | Gehäuse, Bögen, Unterseite | Rosette und Hebel |
Unter Putz zahlen Sie für ein ruhigeres Bild, und das ist ein legitimer Grund. Wo der Posten in einer ganzen Sanierung landet, steht unter Badsanierung Kosten.
Beim Aufmaß entscheiden wir das mit
Die Wolfermann GmbH arbeitet als Sanitär-Meisterbetrieb seit über 40 Jahren im Berliner Bestand, vom Gründerzeithaus bis zum Neubau.
Beim Aufmaß sehen wir uns die Wand hinter der Dusche an, prüfen den Fließdruck und fragen, welches Gerät bei Ihnen das Warmwasser macht. Danach steht fest, ob Unterputz ohne neue Vorwand geht, ob ein Thermostat zu Ihrer Warmwasserbereitung passt und welche Menge Ihre Leitung hergibt. Die Armatur selbst suchen Sie bei der Bemusterung aus, rechtzeitig vor dem Fliesen. Für das Aufmaß berechnen wir nichts.
Den Termin vereinbaren Sie telefonisch unter 030 4173 3464 oder über das Formular auf dieser Seite. Wenn nicht nur die Armaturen erneuert werden, führen Waschtisch und Badumbau weiter.