Warum die Entscheidung unter der Fliese fällt
Zwei Systeme stehen zur Auswahl, und sie tun Verschiedenes. Die elektrische Heizmatte ist ein Gewebe mit eingewebtem Heizleiter, das im Fliesenkleber liegt und den Belag erwärmt. Die wasserführende Schlaufe ist ein Rohr im Boden, das an derselben Heizung hängt wie der Rest der Wohnung und den Raum heizt. Das eine ist Komfort unter den Füßen, das andere ein Heizkörper, der flach liegt. Aus diesem Unterschied folgt alles Weitere: Bauhöhe, Aufheizzeit, Jahreskosten und die Frage, ob aus einer Badrenovierung eine Sanierung mit Abbruch wird.
Was die Systeme an Höhe beanspruchen
Aufbauhöhe meint in allen folgenden Zahlen die Strecke von der Rohdecke bis zur Oberkante der fertigen Fliese. Eine Fußbodenheizung beansprucht davon:
| System | zusätzliche Aufbauhöhe | Leistung |
|---|---|---|
| Heizmatte im Kleberbett | 3 bis 5 mm | 100 bis 150 W/m² |
| Heizkabel im Ausgleichsspachtel | 8 bis 12 mm | 120 bis 200 W/m² |
| wasserführendes Dünnschichtsystem | 20 bis 35 mm | 60 bis 90 W/m² |
| wasserführender Nassaufbau | 50 bis 70 mm | 60 bis 90 W/m² |
Der Sprung von fünf Millimetern auf sieben Zentimeter ist die eigentliche Bauentscheidung. Wer die Matte einlegt, fliest auf den vorhandenen Estrich, und Türblatt, Schwelle und Übergang zum Flur bleiben, wie sie sind. Wer einen Nassaufbau will, nimmt den alten Estrich heraus.
Dazu kommt die Wartezeit. Ein Zementestrich ist erst nach etwa vier Wochen belegreif, ein Heizestrich muss vorher nach DIN EN 1264-4 funktionsbeheizt werden. Ein Schnellestrich verkürzt das auf rund eine Woche und kostet mehr. Wo nur dieses eine Bad vorhanden ist, scheitert der Nassaufbau meist genau hier.
Kommt eine bodengleiche Dusche dazu, teilen sich zwei Gewerke dieselben Zentimeter. Ein Punktablauf im Standardmaß hat 90 bis 110 Millimeter Einbauhöhe, gemeint ist der Ablaufkörper allein, und verlangt 120 bis 150 Millimeter Aufbauhöhe. Der Estrich muss über den Heizrohren gleichzeitig seine Nenndicke behalten und zum Ablauf hin Gefälle bekommen. In der Duschfläche liegt deshalb kein Heizrohr; dort wärmt die angrenzende Fläche mit.
Trägheit: der Unterschied, den man morgens merkt
Eine Heizmatte ist nach 20 bis 30 Minuten spürbar warm, ein wasserführendes Dünnschichtsystem nach 40 bis 60 Minuten, ein Nassaufbau erst nach anderthalb bis drei Stunden, weil zuerst die Estrichmasse auf Temperatur kommen muss. Genau so lange gibt er die Wärme danach wieder ab.
Daraus folgen zwei Betriebsarten. Die Matte wird geschaltet, üblicherweise in zwei Fenstern am Tag, morgens von 5:30 bis 8:00 und abends von 19:00 bis 22:00 Uhr. Der Nassaufbau läuft durch, mit niedriger Vorlauftemperatur; eine Nachtabsenkung spart dort kaum etwas, weil der Boden den halben Vormittag braucht, um wieder oben zu sein.
Was der warme Boden im Jahr kostet
Ein Bad von acht Quadratmetern behält nach Abzug von Duschfläche, WC, Möbel und Wanne etwa vier Quadratmeter, unter denen geheizt werden darf. Bei 150 Watt je Quadratmeter sind das 600 Watt.
| Betrieb | Laufzeit Oktober bis April | Verbrauch | Kosten im Jahr |
|---|---|---|---|
| Heizmatte als Komfortheizung | 2 Stunden täglich | rund 250 kWh | rund 80 Euro |
| Heizmatte als Raumheizung | 7 Stunden täglich | rund 880 kWh | rund 280 Euro |
| dieselbe Wärme aus Gas | – | rund 280 kWh Gas | 30 bis 36 Euro |
| dieselbe Wärme aus Fernwärme | – | rund 250 kWh | 30 bis 40 Euro |
| dieselbe Wärme aus einer Wärmepumpe | – | rund 70 kWh Strom | 20 bis 25 Euro |
Gerechnet ist mit 32 Cent je Kilowattstunde Strom, 11 Cent für Gas, 14 Cent für Fernwärme und bei der Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von 3,5.
Damit ist die Sache entschieden, bevor jemand über Fabrikate redet: Für zwei Stunden warmen Boden am Tag ist der Strompreis kein Argument. Als alleinige Heizquelle ist die Matte das teuerste System, das sich in ein Bad einbauen lässt. Und mit 30 bis 35 Grad Vorlauf ist ein Fußbodenkreis genau die Fläche, mit der eine Wärmepumpe gut arbeitet.
Bei der Anschaffung dreht sich das Verhältnis um. Matte, Uhrenthermostat und Anschluss liegen bei 700 bis 1.400 Euro, ein wasserführendes Dünnschichtsystem bei 1.600 bis 3.000, ein Nassaufbau mit neuem Estrich bei 2.500 bis 4.500. Die Matte kostet dabei keinen eigenen Bautag, weil sie am Fliesentag mitläuft.
Der Berliner Bestand, Fall für Fall
Gründerzeit. Über einer Holzbalkendecke fällt der Nassaufbau fast immer aus: zu schwer für die Balken, zu hoch für den vorhandenen Aufbau. Gearbeitet wird trocken, also Trockenestrichplatte mit Heizmatte darauf oder ein wasserführendes System in Wärmeleitblechen. Unter die Fliesen gehört eine Entkopplung, weil Holz arbeitet und ein Boden, der täglich um mehrere Grad steigt und fällt, mitarbeitet. Und wo noch eine Einrohrheizung liegt, lohnt der Anschluss eines Fußbodenkreises nicht. Mehr dazu unter Badsanierung im Altbau.
Nachkriegssiedlung. In den Zeilenbauten der fünfziger und sechziger Jahre liegen 40 bis 50 Millimeter Estrich auf Trittschalldämmung über einer Betondecke. Kommt der für neue Leitungen ohnehin heraus, ist das die Gelegenheit für den Nassaufbau. Zu klären ist dann die Vorlauftemperatur: Eine Gasetagentherme fährt 60 bis 70 Grad, ein Fußbodenkreis verträgt 30 bis 40. Dazwischen sitzt ein Regelset mit Beimischung für 250 bis 500 Euro, das einen Einbaukasten von etwa 50 mal 40 Zentimetern in der Vorwand braucht und zugänglich bleiben muss.
Plattenbau. Dreieinhalb bis viereinhalb Quadratmeter, dünner Estrich auf der Deckenplatte, Fernwärme: Hier ist die Heizmatte die pragmatische Antwort, weil ein wasserführender Kreis einen Eingriff in den Strang bedeuten würde, und der gehört der Gemeinschaft. Die eigentliche Hürde steht im Flur. Die Matte verlangt einen eigenen Stromkreis mit Fehlerstromschutzschalter von 30 Milliampere nach DIN VDE 0100-701, und in Wohnungen dieser Bauart hängt oft alles an drei Stromkreisen. Ob im Verteiler noch ein Automat Platz findet, sehen wir beim Aufmaß nach.
Neubau mit Heizestrich. Hier liegt die Fußbodenheizung bereits, das Bad hängt mit einem eigenen Kreis am Verteiler, und die Aufgabe heißt: heil lassen. Vor dem ersten Bohrloch heizen wir den Kreis eine halbe Stunde auf und zeichnen den Rohrverlauf mit der Wärmebildkamera auf dem Estrich an. Danach steht fest, wo Dübel für WC-Bock und Duschabtrennung sitzen und wie tief gebohrt werden darf.
Regelung: der Teil, den man später nicht mehr ändert
Geregelt wird ein Badboden über die Bodentemperatur, nicht über die Raumluft. Dafür sitzt ein Fühler in einem geschlossenen Leerrohr, mittig zwischen zwei Heizschleifen. Nur so lässt er sich tauschen, ohne eine Fliese zu opfern; ein eingegossener Fühler ist bei einem Defekt ein Fliesenschaden.
Angenehm barfuß sind 26 bis 29 Grad Oberflächentemperatur; nach DIN EN 1264 sind im Bad bis zu 33 Grad zulässig, im Wohnraum nur 29. Ein Uhrenthermostat mit adaptiver Vorlaufzeit lernt über einige Tage, wie lange Ihr Boden braucht. Bei einem Nassaufbau ist das der Unterschied zwischen 4:00 und 6:00 Uhr Einschaltzeit.
Die Dose sitzt neben der Tür auf etwa 110 Zentimetern über dem fertigen Boden, außerhalb der Schutzbereiche um Wanne und Dusche. Steuerleitung und Fühlerrohr müssen vor dem Fliesen liegen, sonst wird später eine Schlitzarbeit daraus.
Der Boden ersetzt den Heizkörper nicht
Zwei Dinge kann ein warmer Boden nicht. Er trocknet kein Handtuch, und wenn er wasserführend an Gaskessel oder Fernwärme hängt, steht er von Mai bis September still. Beides erledigt ein Handtuchheizkörper mit elektrischem Heizstab. Welche Wattzahl Ihr Bad überhaupt braucht und wie viel davon der Boden beisteuern kann, steht unter Badheizkörper Größe.
Umgekehrt trocknet er den Belag nach dem Duschen schneller ab, was der Bausubstanz hilft. Wie die Feuchte aus dem Raum kommt, steht unter Lüftung im Bad.
Vier Punkte, die vor dem Abbruch feststehen müssen
- Der Stromkreis. Eigener Automat, Fehlerstromschutzschalter, freier Platz im Verteiler. Das ist bei der elektrischen Variante die einzige Position, die teuer werden kann.
- Der Belegungsplan. Unter Wanne, WC-Sockel und Möbeln ohne Füße liegt keine Heizfläche, in der Duschfläche ebenso wenig. Daran hängt, wie viele Quadratmeter zusammenkommen.
- Die Höhe. Türblatt, Schwelle und Anschluss an den Flurboden werden vorher gerechnet, nicht am Fliesentag.
- Leerrohr und Dose. Fühlerrohr im Boden, Steuerleitung in der Wand, beides vor der Abdichtung.
Beim Aufmaß rechnen wir das für Ihr Bad durch
Die Wolfermann GmbH ist ein Sanitär-Meisterbetrieb mit über 40 Jahren Erfahrung. Beim warmen Boden hängt alles an der Reihenfolge: Elektrik, Estrich, Abdichtung und Fliese greifen so ineinander, dass sich nachträglich nichts mehr korrigieren lässt. Deshalb gehört diese Entscheidung vor den Abbruch und nicht in die Bemusterung.
Beim Aufmaß messen wir den vorhandenen Aufbau an mehreren Stellen, sehen uns Decke, Verteiler und Sicherungskasten an und rechnen die belegbare Fläche aus. Danach wissen Sie, welches System passt, was der Einbau kostet und was der Betrieb im Jahr kostet. Der Termin geht vor Ort oder per Videocall und kostet Sie nichts.
Für den ersten Anruf genügen drei Angaben: Baujahr, Quadratmeter des Bades und ob Gas, Fernwärme oder Wärmepumpe im Haus arbeitet. Damit steht schon fest, welche der beiden Bauarten in Frage kommt. Steht mehr als der Boden an, lesen Sie vorher Badumbau und bodengleiche Dusche.
Ob elektrisch oder warmwasserführend die richtige Wahl ist, entscheidet Ihr vorhandener Bodenaufbau. Beschreiben Sie ihn uns unter 030 4173 3464, dann ordnen wir es ein.