Warum Sie im Schlafzimmer hören, wer duscht
Im Bad entstehen zwei Arten von Geräusch, und nur eine hält eine dicke Wand auf. Das eine ist Luftschall: Stimmen, der Föhn, das Radio. Das andere ist Körperschall, und der interessiert sich für Wandstärken nicht. Wasser trifft auf die Wannenwand, die Wanne steht im Mörtel, der Mörtel liegt auf dem Estrich, der Estrich stößt an die Wand, und in der Wohnung darunter strahlt die Decke das Ganze wieder als Geräusch ab. Der Weg ist oft lang: Gehört wird die Dusche nicht selten zwei Räume und eine Etage weiter, während direkt nebenan nichts auffällt.
Schallschutz im Bad ist deshalb keine Frage von Dämmstoff in der Wand, sondern eine Frage von Trennstellen. Jedes Bauteil, das Wasser berührt, muss vom Rohbau getrennt bleiben: Wanne, WC, jedes Rohr, jede Schelle, der Estrich, die Duschfläche. Wird eine davon vergessen, nützen die übrigen wenig, denn eine einzige starre Verbindung leitet alles weiter. Im fertigen Bad ist sie unsichtbar.
Vier Berliner Ausgangslagen
Gründerzeit. Die Wohnungstrennwände sind 25 Zentimeter Vollziegel und schwer genug, dass Luftschall kaum durchkommt. Das Problem sitzt woanders: Die Bäder wurden nachträglich eingebaut, die Leitungen liegen in Schlitzen oder Holzkästen, und die Holzbalkendecke gibt Trittschall gut weiter. Wer die Schüttung herausnimmt, um Aufbauhöhe zu gewinnen, nimmt der Decke genau die Masse, die die Wohnung darunter geschützt hat. Mehr dazu unter Badsanierung im Altbau.
Nachkriegssiedlung. In den fünfziger und sechziger Jahren wurde sparsam gebaut. Eine 11,5 Zentimeter starke Wand aus Lochziegeln kommt mit Putz auf etwa 190 Kilogramm je Quadratmeter, und die Rohre wurden direkt in den Schlitz gegipst. Beides zusammen ist die häufigste Ursache dafür, dass man den Spülkasten der Nachbarn kennt.
Plattenbau. Hier ist die Wand selten das Problem, sondern der Schacht, in dem der Fallstrang durch alle Geschosse läuft, und die starre Befestigung darin. Weil der Schacht beim Umbau ohnehin offen ist, ist die Ausgangslage besser als ihr Ruf.
Neubau ab 2000. Vorwandinstallation und Schalldämmschellen sind Standard, erfüllt wird aber meist nur die Mindestanforderung. Wer hier erneuert, kommt mit wenig Mehraufwand darunter.
Was die DIN 4109 verlangt, und was sie nicht regelt
Die Norm begrenzt Geräusche aus der Wasserinstallation auf 30 dB(A) in schutzbedürftigen Räumen fremder Wohnungen und verlangt 53 Dezibel Luftschalldämmung an der Wohnungstrennwand, 54 an der Trenndecke und höchstens 50 Dezibel Trittschallpegel.
Zwei Einschränkungen sind wichtig. Erstens gelten die Grenzwerte nur gegenüber fremden Wohnungen: Für Ihr eigenes Schlafzimmer neben dem Bad verlangt niemand etwas; es muss ausdrücklich in die Planung. Zweitens sind 30 dB(A) hörbar. Das entspricht einem Flüstern in einem Meter Abstand, und um fünf Uhr morgens ist das kein theoretischer Wert.
Im Bestand gilt das Schallschutzniveau der Bauzeit; die heutige Norm wird durch eine Sanierung nicht rückwirkend zur Pflicht. Verschlechtern dürfen Sie den vorhandenen Zustand allerdings nicht, und genau das passiert, wenn eine Schüttung verschwindet oder ein bisher entkoppeltes Rohr durch ein starr geschraubtes ersetzt wird.
Die fünf Entscheidungen, die vor der ersten Fliese fallen
Die Wanne. Sie gehört auf einen Hartschaumträger, nicht in ein Mörtelbett und nicht auf Füße, die unmittelbar auf dem Estrich stehen. Rundherum läuft ein Randdämmstreifen, der Wandanschluss wird elastisch verfugt.
Die Duschfläche. Für den Ablaufkörper gilt dasselbe: Er darf nicht gleichzeitig auf der Rohdecke aufliegen und starr im Estrich stecken. Wie hoch welche Bauart aufträgt, steht unter bodengleiche Dusche. Für den Schallschutz ist vor allem der Wandablauf eine Abwägung. Er spart Aufbauhöhe im Boden, denn der Ablaufkörper sitzt mit rund 70 Millimetern in der Vorwand und der Boden kommt mit 70 bis 100 Millimetern Aufbauhöhe von der Rohdecke bis zur Oberkante der fertigen Fliese aus. Dafür wandert die Geräuschquelle in die Vorwand, und das ist ungünstig, wenn diese an einem fremden Schlafzimmer steht.
Das WC. Zwischen Keramik und Montageelement gehört ein Dämmset, und die Schrauben bekommen Hülsen, damit die Keramik nicht starr am Gestell hängt. Die Maße dazu stehen unter WC: Maße und Abstände.
Die Vorwand. Das Ständerwerk wird mit Trennstreifen von Boden, Wand und Decke abgesetzt, der Hohlraum vollständig mit Mineralwolle gefüllt und doppelt beplankt. Faserdämmstoff ist hier Pflicht, Hartschaum überträgt Schall statt ihn zu schlucken. Befestigt werden die Rohre nicht am Ständerwerk, sondern an einem Bauteil mit ausreichender Masse: Unter 220 Kilogramm je Quadratmeter wird die Wand selbst zum Lautsprecher.
Das Abwasserrohr. Hier entsteht das Geräusch, das die meisten meinen, wenn sie von den Nachbarn sprechen. Ein normales HT-Rohr gibt die Spülung ungebremst weiter; ein dreischichtiges, mineralverstärktes Rohr ist deutlich leiser, und wo der Tausch nicht geht, hilft eine Verbundmatte. Gehalten wird es mit Schalldämmschellen, deren Gummieinlage Rohr und Bügel trennt. Die lauteste Stelle im Haus ist der Bogen am Fuß des Fallrohrs, weil dort das Wasser aufschlägt.
Dazu kommt der Druck. Eine Armatur der Geräuschklasse I bleibt bei höchstens 20 Dezibel, und ein Druckminderer, der den Ruhedruck auf rund 3 bar bringt, nimmt jedem Zapfgeräusch die Spitze. Für den Lüfter gilt dasselbe, siehe Bad lüften.
Was später noch geht, und was nicht
| Maßnahme | Entschieden wird | Später noch möglich |
|---|---|---|
| Wanne auf Träger und Randdämmstreifen | vor dem Einbau | nur mit Ausbau der Wanne |
| Schalldämmschellen am Rohr | Rohbauphase | nein |
| Fallrohr gedämmt oder ummantelt | solange der Schacht offen ist | nein |
| Vorwand entkoppelt und gefüllt | Rohbauphase | nein |
| Ablaufkörper vom Estrich getrennt | beim Bodenaufbau | nein |
| Dämmset unter dem WC | bei der Montage | ja, beim Keramiktausch |
| Armatur Geräuschklasse I | jederzeit | ja |
| Druckminderer auf 3 bar | jederzeit | ja |
| Leises Füllventil im Spülkasten | jederzeit | ja |
| Türdichtung, Teppich, Schrank an der Trennwand | jederzeit | ja |
Die untere Hälfte der Liste kostet wenig und ist an einem Vormittag erledigt. Die obere kostet während der Sanierung ebenfalls wenig und danach eine zweite Baustelle. Deshalb gehört der Schallschutz vor die Bemusterung: Wer zuerst über Fliesen spricht, hat die teureren Entscheidungen längst getroffen, ohne es zu bemerken. Wie sich der Posten in die Gesamtsumme einfügt, steht unter Badsanierung Kosten.
Was Sie vorher selbst prüfen können
Drei Angaben helfen mehr als jede Beschreibung des Geräusches. Erstens: an welchen fremden Raum grenzt Ihr Bad, und liegt darunter oder darüber ein Schlafzimmer. Zweitens: hören Sie Wasser, also Rauschen und Spülung, oder Schläge, also Aufsetzen und Türen. Das erste zeigt auf die Rohre, das zweite auf Wanne und Estrich. Drittens: ist der Strang in den letzten Jahrzehnten erneuert worden. Gehört die Wohnung zu einer Eigentümergemeinschaft, lohnt vorher Bad in der Eigentumswohnung, weil Schacht und Decke nicht Ihnen gehören.
Beim Aufmaß legen wir das fest
Wir sehen uns an, wo der Fallstrang läuft, woran die Rohre hängen und wie der Boden aufgebaut ist. Daraus ergibt sich, welche der fünf Entscheidungen bei Ihnen anstehen: in einer Wohnung mit festem Installationsschacht oft drei, in einem Altbau mit nachträglich eingebautem Bad meist alle fünf. Die Wolfermann GmbH ist ein Sanitär-Meisterbetrieb mit über 40 Jahren Erfahrung.
Das Aufmaß kostet nichts und geht vor Ort oder per Videocall. Danach steht Ihr Festpreis, und der Schallschutz ist darin eine eigene Position, die Sie sehen und streichen können. Wenn ohnehin das ganze Bad ansteht, lesen Sie vorher Badumbau; geht es nur um den Tausch der Wanne, Dusche statt Wanne.
Schallschutz lässt sich nach der Sanierung nicht nachrüsten. Wenn Sie ohnehin bauen, besprechen Sie ihn vorher unter 030 4173 3464 — danach ist die Wand zu.