Drei Möbel, eine Entscheidung
Badmöbel werden meist einzeln gekauft und sollten als Satz geplant werden. Unterschrank, Hochschrank und Spiegelschrank teilen sich Front, Griffhöhe und Farbton, und daran scheitert der Nachkauf: Wird der Hochschrank zwei Jahre später bestellt, ist die Serie ausgelaufen oder das Dekor kommt aus einer anderen Charge. Nebeneinander an derselben Wand sieht man das sofort.
Der Katalog zeigt Ihnen die Fronten. Was im Alltag zählt, steht nicht darin: woraus der Korpus besteht, wie tief er baut und wie er an der Wand sitzt.
Was im feuchten Raum hält
Die Standardbauweise ist ein Korpus aus MDF mit einer Folie aus Melaminharz oder PVC, 0,2 bis 0,4 Millimeter stark. Das ist keine Sparlösung, sondern das, was in den meisten Bädern fünfzehn Jahre und länger hält. Die Schwachstelle liegt nicht in der Fläche, sondern an jeder Kante, an der das Trägermaterial offen liegt. Werkseitig sind die Kanten umleimt. Der Ausschnitt für Siphon und Anschlüsse in der Rückwand wird dagegen oft erst auf der Baustelle gesägt, und dort zieht Feuchte als Erstes ins MDF, das daraufhin aufquillt. Wir versiegeln solche Schnitte, bevor der Schrank an die Wand geht.
Schichtstoff, im Handel meist HPL, ist die härtere Oberfläche. Sie steckt Kratzer weg und verträgt Reiniger, die einer Folie zusetzen. In einem Familienbad ist der Aufpreis gut angelegt. Lackfronten auf MDF sehen am ruhigsten aus und sind am empfindlichsten: Hochglanz zeigt jeden Kratzer im Streiflicht, matt jeden Fingerabdruck.
Massivholz und Echtholzfurnier arbeiten mit der Raumluft und bewegen sich über die Jahreszeiten um wenige Millimeter je Meter Breite, was bei schmalen Schattenfugen auffällt. Holz ist deshalb eine Frage der Lüftung: Wo nach dem Duschen zwanzig Minuten lang 80 Prozent Luftfeuchte im Raum stehen, hat es nichts verloren (Badlüftung). Geölt statt lackiert lässt sich Holz nachpflegen, eine beschädigte Folie nicht. Für die Platte darüber kommen zusätzlich Mineralwerkstoff, Keramik und Glas in Frage; welche davon zu welcher Beckenform passt, steht unter Waschtisch.
Wie tief, und was davor übrig bleibt
| Möbel | Tiefe | Breite | Höhe |
|---|---|---|---|
| Unterschrank unter Möbelwaschtisch | 46 bis 50 cm | 60 bis 120 cm | 40 bis 60 cm |
| Schlanke Serie | 35 bis 40 cm | 60 bis 100 cm | 40 bis 60 cm |
| Hochschrank | 30 bis 35 cm | 30 bis 40 cm | 160 bis 200 cm |
| Möbel im Gäste-WC | 25 bis 30 cm | 40 bis 50 cm | 50 bis 60 cm |
Die Zahl, die im Prospekt fehlt, ist die vierte: der Platz vor dem Möbel. Ein Vollauszug fährt 45 bis 50 Zentimeter heraus, und dahinter brauchen Sie rund 60 Zentimeter, um vorbeizugehen. In einem Bad von 1,60 Metern lichter Breite bleiben bei 50 Zentimetern Korpustiefe 110 Zentimeter übrig, und sobald ein Auszug offen steht, ist der Weg zur Wanne zu. Schlanke 35 Zentimeter lösen das und kosten eine Schublade an Volumen. Bei den Beschlägen zählt die Tragkraft: übliche Vollauszüge 30 Kilogramm, kräftigere 50. Ein Teilauszug ist günstiger, lässt aber die letzten 20 Prozent des Korpus im Dunkeln.
Was der Berliner Bestand vorgibt
Im Gründerzeitbau steht das Bad häufig in einem fensterlosen Innenraum, dafür bei 3,20 bis 3,60 Metern Raumhöhe. Ein Hochschrank von zwei Metern lässt dort über einen Meter Wand ungenutzt; ein Aufsatzschrank darüber oder ein nach Maß gefertigter Schrank bis unter die Decke schafft Stauraum, den kein Serienmöbel hergibt.
In der Nachkriegssiedlung sind die Wände massiv, häufig aus Lochziegel, und der Fliesenspiegel endet bei 1,50 Metern. Ein Hochschrank steht dann oben vor Putz und unten vor Fliesen, mit einem Versatz von wenigen Millimetern.
Im Plattenbau liegt die Raumhöhe bei rund 2,50 Metern, wofür ein Hochschrank von 200 Zentimetern genau passt. Die Wand hinter dem WC ist dort aber oft ein leichter Installationsschacht, der keine Last aufnimmt, und die Revisionsklappe darin muss frei bleiben. Im Neubau steht ohnehin eine Vorwand; dort gehört der Befestigungspunkt vor den Trockenbau, denn ist die Wand zu, bleibt nur, was der Dübel hergibt.
Hängend oder stehend
Hängende Möbel sind die erste Wahl, wo die Wand die Last aufnimmt, denn unter dem Korpus kommen Sie ohne Verrenkung durch: 15 Zentimeter Abstand genügen dafür, 25 bis 30 Zentimeter lassen zusätzlich einen Wäschekorb darunter stehen.
Die Frage ist, worin die Schrauben sitzen. Beton und Vollziegel tragen ohne Weiteres, Lochziegel verlangt den passenden Dübel, eine Vorwand einen eingebauten Träger, ein leichter Schacht trägt gar nichts. Wird nur das Möbel getauscht und dafür durch vorhandene Fliesen gebohrt, kommt in Bädern der sechziger bis achtziger Jahre der Fliesenkleber ins Spiel: Er enthält aus dieser Zeit häufig Asbest, und dann wird nicht trocken gebohrt (Asbest im Bad).
Stehende Möbel spielen ihre Stärke aus, wo der Boden nicht eben ist oder die Wand nichts trägt. Stellfüße gleichen einen Zentimeter Gefälle aus. Dafür bekommen Sie eine Fuge am Boden: Entweder wird sie mit Silikon geschlossen, das nach einigen Jahren vergilbt, oder der Sockel wird 5 bis 10 Zentimeter zurückgesetzt, sodass eine offene Kante bleibt, die sich auswischen lässt. Über einer Fußbodenheizung wird nicht in den Estrich gedübelt; solche Möbel werden zusätzlich an der Wand gesichert.
Griff oder grifflos
Grifflos sieht am ruhigsten aus und hat zwei Haken. Die Mechanik braucht 2 bis 3 Millimeter Fuge rundherum, damit die Front zurückschwingen kann, und geöffnet wird sie durch Druck genau dort, wo die Finger gerade Zahnpasta oder Creme tragen. Auf matt lackierten Fronten bleibt das sichtbar. Dazu kommt, dass ein schwer beladener Auszug schon beim Anstoßen mit der Hüfte aufspringt.
Die Grifffräsung in der Front ist der Kompromiss, den wir am häufigsten einbauen: Es ragt nichts in den Raum, und drücken müssen Sie trotzdem nicht. In einem Durchgang von 1,20 Metern ist das auch eine Frage der blauen Flecken, denn ein Bügelgriff steht 3 bis 4 Zentimeter vor.
Licht im Schrank
Ein Hochschrank von 35 Zentimetern Tiefe ist nach hinten dunkel, sobald die Tür halb zu ist; ein LED-Band mit Türkontaktschalter und 2 bis 4 Watt löst das. Ein zweiter Streifen unter dem Waschtischmöbel, warm bei 2.200 bis 2.700 Kelvin und über einen Bewegungsmelder geschaltet, führt Sie nachts durchs Bad, ohne Sie wach zu machen.
Daran hängt ein Netzteil für 24 Volt, und das braucht einen Platz, an den man später wieder herankommt: hinter einer Revisionsklappe gut, eingemauert nicht. Wie sich Schrank-, Spiegel- und Grundlicht zusammenfügen, steht unter Lichtkonzept; auf welcher Höhe der Spiegelschrank hängt, rechnet Spiegelschrank Höhe durch.
Drei Fehler, die teuer werden
Die Möbel vor der Planung gekauft. Auslassdose, Träger in der Vorwand und Anschlusshöhe werden beim Abbruch festgelegt. Steht das Möbel erst danach fest, passt entweder das Licht nicht oder der Auszug fährt gegen den Siphon.
Die Serie in Teilen bestellt. Zwei Chargen desselben Dekors sind nie ganz gleich, und nebeneinander an einer Wand fällt das auf.
Der Hochschrank vor der Revisionsklappe. Dahinter sitzen Spülkasten und Absperrventile. Ist sie zugestellt, wird aus einer Viertelstunde Arbeit ein halber Tag.
Was das kostet
| Möbel | Serie, MDF mit Folie | Schichtstoff oder Lack | Nach Maß |
|---|---|---|---|
| Unterschrank 80 cm | 350 bis 900 Euro | 800 bis 1.800 Euro | ab 1.800 Euro |
| Hochschrank 35 cm | 250 bis 700 Euro | 600 bis 1.400 Euro | ab 1.400 Euro |
| Spiegelschrank mit LED | 400 bis 1.200 Euro | 900 bis 2.000 Euro | ab 2.000 Euro |
Die Montage aller drei Teile liegt bei drei bis sechs Stunden, sofern die Wand trägt und die Anschlüsse stimmen. Nach Maß gefertigte Möbel kosten 60 bis 100 Prozent mehr als die Serie und brauchen 8 bis 12 Wochen Lieferzeit, müssen also früh feststehen. Was davon Arbeitslohn ist, steht als eigene Position auf der Rechnung und ist nach § 35a EStG begünstigt. Welchen Anteil die Möbel an einem ganzen Bad ausmachen, rechnet Badsanierung Kosten vor.
Beim Aufmaß nehmen wir die Wand auf
Ausgeführt werden die Arbeiten von der Wolfermann GmbH, einem Sanitär-Meisterbetrieb mit über 40 Jahren Erfahrung. Beim Aufmaß messen wir die freie Wand, prüfen, was sie tragen kann, und rechnen den Platz vor dem Möbel aus, bevor etwas bestellt wird. Das geht vor Ort oder per Videocall und ist für Sie kostenlos, ohne dass daraus eine Bestellung folgen muss.
Den Termin machen wir am Telefon unter 030 4173 3464 aus, werktags bis 16:30 Uhr. Zwei Angaben helfen uns dabei schon weiter: die Breite der Wand, an die die Möbel sollen, und das Baujahr des Hauses. Muster der Fronten sehen Sie vor der Bestellung. Steht mehr an als neue Möbel, lesen Sie vorher Bad planen und Badumbau; was sich auf wenigen Quadratmetern unterbringen lässt, zeigt kleines Bad.